Ab nach Delhi

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Viele Reisende sprachen sehr negativ über die Hauptstadt Indiens und somit waren meine Erwartungen auf die letzte Destination unserer Reise gering – schwindend gering. Denise meinte dazu genau das Richtige: dann könne Delhi meine Erwartungen ja nur übertreffen. Ja, und dies tut es massiv. Delhi gefällt mir gar. Klar, wir sind noch nicht lange hier, aber bis jetzt ist es ganz ok bis sehr schön. Delhi ist Indien: Autohupe, Kühe, nervige Anmacherei, Dreck und Gestank – das hat man in jeder Stadt Indiens. Doch eine Metro und richtige Einkaufsviertel das sahen wir erst hier! (Nicht dass wir gross shoppen möchten, doch wir freuen uns mal gemütlich schlendern zu können und nicht immer wie Affen angeguckt und ständig angesprochen zu werden)

Aber zuerst mal zur Reise in diese grosse Stadt: wie geschrieben nahmen wir den Nachtzug. Ein Zug wo man reservieren muss um einen Platz zu kriegen. Doch so strikt wurde dies dann doch nicht durchgezogen. Und so waren stets zu viele Leute im Zug. Wir lagen – mir sei Dank J – auf den oberen Liegen und konnten dem Treiben unten nur zuschauen. Ich hatte die Liege parallel zur Fahrtrichtung, Denise war im offenen Abteil oben. Zuerst war es saumässig heiss, dann zähneknirschend kalt. Ich schlief ein wenig mehr als Denise – doch war diese Nacht alles andere als erholsam…dafür erlebnisreich. Und so dreckig wie nach dieser Nacht fühlten wir uns selbst nach drei Tagen Wüste nicht…

Wir werden nun noch die letzten Tagen/Stunden zu zweit geniessen. Delhi erkunden, ein paar letzte Atemzüge von Indien aufsaugen. Indien – der Magische Zauber der uns angezogen hatte, sehen wir nun etwas nüchterner. Aber wir staunen noch heute jeden Tag! Diese Gegensätze die trotzdem irgendwie harmonisch zu sein scheinen, faszinieren und machen nachdenklich. So farbig  und bunt wie hier die Kleidung ist, sind auch die Menschen und ihre Lebensweise. Arm und Reich – in Dimensionen die kaum fassbar erscheinen. Muezzingesänge, neben Hindutempel und Kirchenglocken. Kosmopoliten neben Wüstendörfer. Gleichzeitig gibt’s hier viel staubiges, schmutziges, was alles irgendwie einhüllt. Es ist teils aus Wasserknappheit, zum anderen das Produkt ihres Lebensalltags, manchmal auch als neue Ressourcen genutzt.

Es scheint, als wäre es in Indien möglich dass mehrere Epochen parallel existieren. In der Wüste zu sein mit Handy – Mittelalterliche Behausungen mit Falchbildschirm TV, jahrhundertaltes Handwerk – bestellt per Internett; Sari neben Mini-jupe, Schlaghose neben Turban. Alters rostendes Englisches Taxi neben blinze blankem Audi A8.

Wir geben zu, manchmal mussten wir (also v.a. Denise…) die Nase zuhalten, kam uns das Benehmen vieler Inder befremdend vor. Es macht müde durch Indien zu Reisen – wie ein Australier meinte „It’s hardwork to travel in India –  travelling in Thailand will be like holliday!“ Auf diese Weise freuen wir uns beide auf etwas Erholung. Versuchen all die vielen Eindrücke zu ordnen. Ja, that’s India…. Man wird überflutet mit Eindrücken, Dingen die man sich bis anhin noch nie vorstellen vermochte und beginnt heimisches noch mehr zu schätzen.

D: Ich freue mich auf ein Stück Brot mit Wurst und Käse, ein sauberes Bett und frische Luft, leisen Strassenverkehr, festen Preisen bei Migros und Qualität für die ich gerne auch etwas mehr bezahle! Und „real friends“ – mini liebe lüt! (P: hääää, und iiig????!!!)

P: Ich auch!! …und ich freue mich in eine Schweiz voller Schnee zukommen, Fasnachtschüechli essen zu können, mein Göttiching in die Arme nehmen zu dürfen, dem Projekt Perron13 zu folgen,  endlich wieder Dienst zu leisten… und schlussendlich meine Facharztausbildung beginnen zu dürfen, in einer Stadt wo ich mich schon lange freue wohnen zu können! Judihuiii! (D: und ig?)

Es war aber auch enorm lehrreich – nicht nur kulturell und historisch gesehen sondern auch wie wir selbst als Western people hier in dieser Welt agieren. Unsere Welt ist ein wenig grösser geworden, unser Bewusstsein etwas schärfer und unser Verständnis etwas loyaler. Und unsere nächste Reisedestination auch schon bekannt – ab in den kühlen Norden! Aber zuerst versuchen wir mal unsere eigenen vier Wände in Bern einzurichten.

Abendstimmung aus dem Zug

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Jaisalmer und das Kamel-trekking

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Mit einem Tata-PW inkl. Chauffeur crusen wir durch immer kargere Landschaft Richtung Osten. Ein PW hat den Vorteil, dass man sich an jeder geschlossenen Bahnschranke die Füsse vertreten kann. 16:15 Uhr  – in Jaisalmer angekommen, beziehen wir unser Hotel, wo wir auch das am Folgetag startende Kameltrekking gebucht haben. Das Hotel Renuka  ist nichts Schönes,  aber zweckmässig und wenn man darauf gefasst ist, auch gut aushaltbar.  Nach einer  kurzen Verschnaufpause und den langsam rituellen Formalitäten machen wir uns auf den Weg hoch zum Golden Fort. Ganz aus Sandstein thront das belebte Fort im allmählich untergehen Sonnenlicht.  Wir folgen unser Nase und finden eine Sunset-Terasse von wo wir dem feurigen Ball am Horizont zusehen, wie er langsam verschwindet und genüsslich einer der besten Chai‘s (gratis vom Herrn, der nebenan sein Geschäft hat) schlürfen. Bevor wir uns in ein etwas teureres Restaurant  setzen, kaufen wir Batterien für Stirnlampe, hellen Stoff für einen Turban und kundschaften schon mal paar Hotels für unsere Rückkehr aus.

Am nächsten Morgen brechen wir (Philippe, Adrian und ich) 7:30h  mit einem Jeep auf – mit dem Ziel Wüste: Camel trekking. Auf dem Weg besichtigen wir noch zwei Tempel, danach haben wir genug und wollen auf direktem Weg zum Ausgangspunkt unserer Tour (P: wir haben ja schliesslich ein Trekking- und keine Tempeltour gebucht!). Uns erwarten  Dell-boy , sein Kolleg den wir etwa 53-jährig schätzen , angeblich aber erst 27 sei. Und sein kleiner Kollege, dessen Alter wir nicht wissen wollen, der den Stimmbruch aber jedenfalls noch nicht hatte. Daneben stehen 4 überheblich uns anglotzende Furzbomben, die Adrian und mich mit ihrer plumpen Graziösigkeit in den Bann zogen. Philippe – früher von Gymerkollegen selbst Kamel genannt– war da zu Beginn eher etwas distanziert mit einer gewissen Abscheu. Wir ritten raus in die Steppe. Und wer sich hier die Wüste wie jene in Marokko vorstellt, der wird  wie wir rasch besserem belehrt. Hier ist die Wüste alles andere als wüst.  Sand, Stein (von gelben Sandstein bis hin zu dunkelrotem Stein), Kies, Schotter dominieren den Boden. Aber alles immer wieder mehr oder weniger bedeckt mit verschieden Grünpflanzen. Ab und zu ein Melonenacker mit Sonnengebrannten Arbeiterinnen. Tückischen Bodenpflanzen, die wie Klebläuse an einem haften, und wie Reisnägel zwicken. Und die als Pflanzen im Kontrast mit den verschiedenen Grüngewächsen eher lila  flimmern. Ganz entzückt von der enormen Farbenpracht und dem wandelnden Sonnenlicht, das noch viel mehr Facetten hervorzaubert, schaukeln wir durchs Land. Unter einem solch perfekten Baum, den es für uns bis anhin nur in Bilderbücher gab, machen wir unseren ersten Mittagsrast. Im Schatten liegen wir auf Decken, während Dellboy sich als  grosser Koch erweist. Wir müssen uns ein wenig daran gewöhnen;  nichts zu machen, uns bedienen zu lassen – doch dann ist es einfach „Haven on Earth“.  Nach dieser Mahlzeit verlässt uns der grosse Kollege  von Dellboy – sein Vater ist schwer krank und so macht er sich mit seinen Flipflop auf den Weg nach Hause durch die Wüste . Wie er es erfahren hat? Im Gegensatz zur Schweiz, wo es sogar in 6000 Seelendörfer Funknetzlöcher gibt, gibt es in der ganzen Wüste vollen Handy-Empfang! (P: diese Wüste befindet sich im Nordwesten von Indien – also in unmittelbarer Nähe zu Pakistan, zu welchem Land Indien ja immer noch nicht das beste Verhältnis hat. Ich denke kaum, dass der super Empfang für die armen Wüstenbewohner geschaffen wurde… davon zeugten auch die Militärjets, welche ab und an über unsere Köpfe donnerten)

Wer noch nie eine solche Kamelsafari erleben konnte, oder in nächster Zeit es sich nicht einrichten kann  – hier die Anleitung zum Selbermachen:

Mann verlege den Kindersandkasten ins Badezimmer, stelle die Heizung aufs Maximum und zweckentfremde eine Schreibtisch- oder Stehlampe ohne Energiesparglühbirne als Sonne. Für den Wind empfehlen wir ein ausrangierten Ventilator oder Leistungsstarken Fön.  Als Kamel nehme man ein altes „Holzböckli“ und lege ein altes Plastikfass darauf. In dieses wir ein kleiner Tonbandrekorder mit Geräuschen aus dem Film Jurasic Parc  abgespielt. Der Fussabtreter vor der Eingangstüre wird auf das Fass geschnallt. Damit es beim Draufsetzen nicht so pickt, das Ganze mit einem dicken Tischtuch  oder mehrmals  gefaltetem Bettanzug zudecken. Wer Hungrig ist wie Adrian, kann versuchen ein kleinen Kühlschrank draufzuschnallen, einen Picknickkorb mit Kohl, Kartoffeln,  Linsen, Öl und Geschirr tut es aber auch .Handtücher kann man zu Hause lassen, denn abgewaschen wir mit Sand. Ganz wichtig ist, dass man am Vorabend reichlich Kohl kocht und ein Teil selbst verzehrt, so dass man im 10minuten Tackt ein Furzgeräusch hört. Der restliche Kohl neben das Tonband in das Fass Stellen und einige Fliegen hinzugeben– es soll, den unerkenntlichen Mundgeruch vom Kamel zum Ausdruck bringen. Wer weniger Vorstellkraft hat,  kann sich auch ein Wüsten-Poster an den Duschvorhang heften. Nun sich selbst pimpen:  Ausgestattet mit einem Liter Leitungswasser, Sandalen und langärmligen Shirt. Bitte den Fotoapparat umhängen (wir hatten mit Adrian eine Art Privatphotographen) , sich aus einem Stück Vorhang oder einem Unterrock ein Turban binden und aufsteigen! Wer es authentischer möchte: ein wenig Sand in der Unterhose – ist unser Tipp!

Spüren Sie den Wind im Gesicht? Die Sonne im Rücken? Das Po, das langsam schmerzt? Grandios nicht?!

Wem dies wenig erstrebenswert vorkommt, wenig Abenteuerlust weckt oder sich dabei nicht entspannen kann, dem sei gesagt, es gibt nichts, was ein solches Trekking in seiner Ganzheit von Eindrücken, Erlebnissen erfassen lässt. Man muss schon raus aus dem Badezimmer und selbst erlebt haben! Es ist einfach tierisch!

Obwohl uns nach dem ersten Tag der Allerwerteste schmerzte (P: mir nicht!!!), und wir beim Absteigen Mühe bekundeten im Gegen, war der Anblick  unserer Nachstätte ein weiteres Highlight. Riesengrosse Sanddünen, mit feinstem Sand und absoluter Stille.  Wir „krakselten“ sofort auf eine der Dünen und genossen ein weiteres Mal mit Chai den Sonnenuntergang. Wenn die Sonne mal weg ist, wir es rasch mal kühl – später kalt – früh morgens bitterkalt. Wir schauen zu, wie auf kleiner Feuerstelle ein weiteres vorzügliches Mahl zubereitet wird. Essen in Lagerfeueratmosphäre uns den Magen voll. Und wenn wir genug haben, würzt Dellboy das Ganze noch wirklich indisch und er und little –boy essen den Resten. Wir reden über Zuhause, über Indien, über die Zukunftsträume von Dellboy, von dessen Monatslohn von 20CHF als Kamelführer (P: wir zahlten 4osFr. PRO Person… hier die abscheulichen Verhältnisse in Indien!!!), von Kreativität, über Schicksalsschläge, von der Stadt Bern und ihrem Wirtschaftsamt, über Herzchirurgie und Kardiologie, vom Alter, Volleyball, von Neubeginnen, von Verflossenem, von Frauen die Mannen zu Königen machen, von Philosophie, vom Geschenke schenken, Hängebrüsten, Sonnenbrillen, vom Reisen und und und…

Um 20 Uhr ist es definitiv kalt und wir schlüpfen mit Mützen bedeckt in unsere Schlafsäcke und bestaunen den Sternenhimmel und dessen Sternschnuppen. Der Schlaf war gut, wenn auch nicht tief. Ein Sandbett ist eben nicht nur zu schwer sondern auch unbequem.

Irgendwann am Späteren Morgen des dritten Tages kommt eine geteerte Strasse in unser Blickfeld. Dort endet unsere Kamelreise und wir fahren mit dem Jeep zurück nach Jaisalmer. Wo wir ein neues gemütlicheres Hotel beziehen (P: der Name ist Programm: Paradise), uns eine genüssliche heisse Dusche gönnen und den Tag geniessen.

Morgen checken wir aus Zimmer 117 aus  und nehmen um 17 Uhr den 17stündigen Nachtzug zurück nach Delhi! Wir rasch doch, die Zeit vergeht.

Jodhpur – die blaue Stadt

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Zuerst zu der Farbe: die blaue Stadt in Rajasthan war für mich eindeutig Bundi. Blau waren in Jodhpur nicht viele Häuser. Früher durften dies nur die Bramahnen haben – also die höchste Kaste der Hindus (die Priester und Lehrer) – heute hält sich niemanden mehr an  diese Regel. Und doch ist bei weitem nicht jedes Haus blau. Angeblich soll die Farbe auch gegen die Moskitos sein – davon halte ich persönlich ganz wenig.

Dafür halte ich mehr von effizienter Durchfallsbehandlung: denn Denise geht es auch in Jodhpur nicht besser. Der Toutesuite hält an und sie bringt kaum eine halbe Portion runter. Fertig mit Symptombekämpfung, wir greifen den möglichen Verursacher an und greifen dafür zum erstandenen Ciprofloxacin (einem Antibiotikum). Und welch ein Glück: Denise geht es besser.

Wir nehmen es  ganz gemütlich, schaffen den Besuch des eindrücklichen Forts von Jodpuhr erst am dritten Tag. Dort kann man sich vom hofeigenen Wahrsager aus der Hand lesen lassen. Philippe  meinte zuerst, dies sei Humbug, wollte dann doch seine Zukunft kennen. Momentan noch keine Kinder (uff… denn Antibiotika und Pille vertragen sich so schlecht) aber später, wenn die Frau dann wolle sei es kein Problem! Ich hielt mein Versprechen, welches ich als Mädchen meinem Grossi gegeben hatte – mir nie aus der Hand zu lesen zu lassen!  Ansonsten spielten wir Jass, Schiffliversänkerli, diskutierten und lagen auf der faulen Haut bis uns der Rücken schmerzte. Zum guten Glück hatte das Hotstel Yogi ein gutes und preiswertes Roof-top Restaurant, in welchem wir jedoch auch schon 2 Stunden auf das Essen warten mussten… (tja, that’s India).

Die Stadt selbst gefiel uns nicht dramatisch. Laut, dreckig, eng und wie überall aufdringliche Händler- tja, again: that’s India. So nervenaufreibend es ist, so faszinierend ist es auf der anderen Seite: Kühe, Hunde, Streifenhörnchen, Affen, Katzen, Mäuse, Büffel und vieles (Un-)Geziefer mehr lebt in Eintracht mit den Menschen. Und dies in einer unglaublichen Ruhe, trotz dem ständigen Lärm. Dann überall intensive Gerüche: Urin vermischt sich mit frisch frittierten Samosas, Räucherstäbchen mit aufgewirbeltem Staub und umherliegende Kacke und Kanalisation mit Jasmin. Und wieder hupt dich ein Motorrad aus dem Weg. Achtung, die Kuh will die Strassenseite wechseln. „Nein“, ich will dir nichts abkaufen, dein Freund bin ich auch nicht und auch dir kleiner Junge gebe ich keinen Rupie. Dafür kriegt der alte Krüppel der sich auf einem Brett durch die Strasse schiebt 10 Rupies, bevor wir es uns im nächsten Restaurant schmecken lassen…

Wir nahmen uns einmal etwas mehr Zeit mit Verkäufer zu schwatzen. Sehr interessant – gibt es doch den Gewürzverkäufer, der alle seine Produkte in mehreren Sprachen kann. Alles gelernt durch Touristen innerhalb eines guten Jahres. Sein grosser Traum – eine Europareise! Welche er aber frühstens in fünf Jahren antreten kann, wenn das Geschäft weiterhin gut läuft. Eine andere nette Dame erklärte uns, wie man richtigen Safran von Fälschungen unterscheidet, dass im Sommer, wenn die Touristen nicht mehr da sind, viele der Souvenirshops wieder zu Gemüseverkäufer werden und wieso alle Gewürzhändler eine Abkürzung wie M.W., M.M., M.G. haben – um Touristen zu verwirren!

Philippe  (mir war es zu diesem Zeitpunkt noch nicht so behaglich)  testete  das beste Tali Restaurant der Stadt – Prya! Super Essen – Zusammen reden kann man aber nicht, weil der Strassenverkehr an der Kreuzung so laut ist, und es keine Fenster zur Schallisolierung gibt.

Eigentlich wollten wir den Zug von Jodhpur nach Jaisalmer nehmen, doch wir blieben bis kurz vor Abfahrt auf der Warteliste und entschlossen uns noch eine Nacht länger in Jodhpur zu bleiben um dann per Strasse an den nächsten Ort zu gelangen. Genau in diesem Moment betrat ein äusserst sympathischer Schweizer Reisender das Hotel. Adrian verriet sich trotz tadellosem Englisch mit seinem kleinen Akzent worauf Denise sofort fragte, von wo er sei. Wir fanden in seinem Dreierzimmer Unterschlupf, und er begeisterte sich für unser Folgeprogram. Somit verbrachten wir ab diesen Abend die nächsten vier Tage mit ihm. War einfach SUPER!!!


Photoimpressionen

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Mount Abu

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Wir sind nun schon ein wenig weiter gereist. Momentan befinden wir uns in Mount Abu. Einem Flitterwochenparadies von Ehepärchen aus dem angrenzenden Bundesstaat Gujarat. Ja, hier hat sich der Tourismus definitiv den Indern verschrieben. Fast alles ist in Sanskrit angeschrieben und wir beiden Weissen gehören zu den Ausnahmeerscheinungen und werden somit konstant angestarrt. Einige Mutige wagten es sogar uns um Erlaubnis zu beten ein Photo mit ihnen zu schiessen. Weniger Mutige taten es auch ohne Erlaubnis… Gestern angekommen waren wir ein wenig enttäuscht ob dem schlechten Preis-Leistungsverhältnis hier im Hotel. Klar zahlen wir für Schweizer Verhältnisse immer noch sehr wenig – aber eben, für den selben Preis, hatten wir schon deutlich grössere Zimmer mit sauberem und anständigerem Bad. Hier ist das Zimmer drei Quadratmeter grösser als das Bett, das Bad relativ schmutzig, mit einem Spühlkasten der rinnt.

Ausgerechnet hier geht es Denise ein zweites Mal wieder schlechter (es wird bewusst so geschrieben, denn wirklich gesund im Bauch hat sie sich nie gefühlt). Gestern kämpfte sie sich tapfer zum Dilwara-Tempel hinauf. Wir beschlossen diese Strecke durch wunderschöne Natur, jedoch auf von Indern befahrener Strasse (…) zu Fuss zu gehen. Immer wieder Bauchkrämpfe. Doch es lohnte sich. Unglaublich schöne Steinmetzkunst in Marmor. Der älteste Tempel wurde vor über 1000 Jahren erbaut. Der Marmor über eine Strecke von 700 Kilometer mit Elefanten hergeschleppt. 2000 Arbeiter waren über 14 Jahre mit dem Bau beschäftigt. Es ERSCHLÄGT einen. Feinste Ornamente, zum Greifen nahe. Wir mussten uns hinsetzen und einfach nur staunen!!! Auch staunten wir über die Inder, welche laut durch die Anlage zogen und den Anschein machten der feinen Kunst nicht wirklich viel Achtung gegenüber zu bringen. Wir fragen uns, ob es so ist, weil es für sie alltäglich ist. Oder ob der Tempel in Sache Glaubenssache wichtiger ist als seine Ästhetik. Oder ob sie ganz einfach keine Zeit haben, fahren doch viele heute wieder zurück…

Das Nachtessen blieb nicht lange in Denise ihrem Magen. Kaum einige Meter vom Restaurant entfernt, musste sie sich schwallartig übergeben. (D: ohne jeglichen Appetit, habe ich das Zeugs gegessen, dümmer Geldausgeben geht fast nicht. *grins*). Tapfer nach Hause und ab ins Bett. Ich mische wieder mal physiologische Lösung (gar nicht mal so schlecht zu trinken: auf einen Liter Wasser einen halben Teelöffel Salz und acht TL Zucker – bei Belieben noch ein klein wenig Zitronensaft). Heute werden wir Ruhen. Das Trekking, welches ich vorhatte zu machen kostet für indische Verhältnisse sehr viel (und der günstige Guide ist nicht hier). Einen Tag will ich Denise auch nicht krank zu Hause sitzen lassen. Somit werde ich ein wenig alleine rumlaufen gehen, schauen ob die hier Ciproflocetin haben (ein Antibiotikum, welches Denise ab heute nehmen würde, falls  es nicht besser geht). Morgen geht’s dann wieder den Berg runter ab nach Jodphur.

Udaipur – die weisse Stadt (Für Touristen auch Udaipur – das Venedig im Osten; für uns das Züri vo Indie)

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Drei Stunden. So viel Verspätung hatte der Zug von Bundi nach Chittaurgarh.  Nach Fischerliversänkerlis, mehren Buchkapiteln, Bekanntschaft mit Eva-Maria und Cristian, kam der Zug endlich und wir stürzten uns in die Sleeper-Klasse. Dort sagte man uns jedoch, dass wir ein Ticket für die Local-class gelöst haben. Super! Wieder auf dem Perron wies die Menschenmenge uns weisse Touristen ans  Zugsende. Dort waren jedoch nur die AC-Wagen (also die gekühlten), welche auch deutlich mehr kosten. Doch für noch einmal zu wechseln hat dann die Zeit nicht mehr gereicht. Der Zug fuhr los. Aufpreis zahlen, bitte sehr. Denise sträubte sich und handelte aus, dass wir nur den Aufpreis für die Sleeperklasse zu zahlen hätten, da wir völlig falsch gelotst wurden.

Im Zug lernten wir Binoy kennen. Einen indischen Hautecuisine Koch. Er ist ein Jahr jünger als ich und kocht in den besten Hotels Indiens. Er ist der sympathischste Inder, welchen wir bis jetzt getroffen haben. Völlig korrekt, sehr gut Englisch sprechend, sehr intelligent… Die Leute eben, die sich AC-class leisten können. Er schaute dann für den Transport in Chittaurgarh vom Bahnhof zum Busbahnhof –eine Pferdekutsche, und dann für die letzten Plätze im Bus. Diese waren in der Chauffeurkabine: super Rundumsicht aber Temperaturen wie in einer Sauna.

Das Hotel Panorama wurde uns von Sime, dem WG-Gspändli Denises, empfohlen. Super Empfehlung. Gutes Zimmer, teils Internetempfang via WiFi, sympathische Terrasse… ein Ort um es sich gut gehen zu lassen. Als erstens steuerten wir auf eine Deutsche Bäckerei zu – Brot – etwas Richtiges zu essen! So assen wir uns durch Brot und leckere Kuchen. Wir erkunden Udaipur zu Fuss. Sehr touristisch. Die Inder sind nun wieder auf Verkauf getrimmt. Sie fragen einen zuerst nach der Herkunft „what is your country?“, dann „ahh, very nice country, you speak german or french?“ (und es gibt einige, die Fragen sogar nach Italienisch UND Rätoromanisch) Und dann kommt manchmal noch irgendein Geschichtchen über einen Freund dort (sehr populär), oder seiner Ausstellung, welche in Kürze im Kunsthaus Zürich sein wird oder Exportbeziehungen zur Schweiz. Dann kommt jedoch recht schnell die Bitte doch sein Geschäft besichtigen zu kommen. Dies dann gemacht, hat er sicherlich noch einen Bruder oder Cousin, welcher Schneider ist und die besten Anzüge der Stadt macht. Und so weiter und so fort…

Denise schenkt mir hier ein wunderschönes Weihnachtsgeschenk. Ich verrate nicht was es ist. Jeder wird jedoch die Gelegenheit erhalten es anschauen zu kommen, wenn wir zusammen wohnen.

Wir besichtigten mit einem Guide den Palast, welcher heute ein Museum ist. Eindrücklich gut erhaltene oder restaurierte Säle. Der heutige König  geniesst hier einen sehr guten Ruf, während die Politiker als Hallunken und Gauner beschrieben werden (siehe weiter unten). Der Prinz hat sogar teils in Deutschland studiert, und ist in der Forschung für Solarenergie tätig. Diese kann man hier auch des Öftern auf den Hausdächern finden. Klug, bei dieser Sonnenpräsenz. Wir hatten bis heute noch keinen einzigen Tag schlechtes Wetter. Langsam sehnen wir uns nach einigen Regentropfen, und auch für die staubigen Städte würde es ein Segen sein.

Mein grösster Wunsch in Indien hätte hier in Udaipur Wirklichkeit werden sollen: Vespa fahren. Hier vermieten sie Vespas für umgerechnete 7 CHF am Tag. Klar ging ich noch am Ankunftstag vorbei. Er habe eine, die müsse er jedoch bis zum Folgetag  herrichten. Nervös ging ich am nächsten Morgen hin. Diesmal redete ich mit dem Chef. Der meinte der Mechaniker sei nicht ganz gut im Kopf (D: als ich die VESPA gesehen habe, dachte ich dasselbe vom Chef!) – die  Vespa (einzige welche sie  haben) würde am nächsten Tag fit sein. Tja, es versteht sich von selbst, dass am nächsten Tag auch dies nicht geklappt hat. Lieferengpässe, verfressene Kabel, etc. Er bot mir noch einen Töff an. Doch ich fuhr ja noch nie so ein  Zeugs und war bei der kleinen Probe auch hoffnungslos überfordert. Somit mietete ich schlussendlich keine Vespa (vielleicht auch glücklicherweise (D: oh ja!!! Ich habe aufgeatmet!), wenn man bedenkt, dass die meisten Todesfälle Schweizer Touristen nicht etwa auf böse Malariaerreger oder andere  Parasiten, sondern auf Verkehrsunfällen zurück zu führen sind). Ich war klar sehr enttäuscht… (und nehme mir vor in der Schweiz im nächsten Sommer mal über eine gewisse Zeit eine Vespa zu mieten um mit dieser den A1-Schein zu lösen – dann merke ich, ob mir dies wirklich so gefällt, wie ich es mir seit Kindergartentagen ausmale).

Eines Abends gönnten wir uns eine Massage. Der Preis ist für Schweizerverhältnisse billig, für indische horrend hoch. Was wir bekamen, war eine volle Öl-Einreibung. Denise war zu Beginn etwas ambivalent und so sagte uns der Inhaber, um sie umzustimmen, er wolle kein Geld, falls wir nicht zufrieden sein würden. Denise zahlte für uns am Schluss nur 2/3 des abgemachten Preises. Er wollte sich beklagen, doch Denise erklärte ihm, dass sie auch gar nichts bezahlen könnte, und dass es nicht wirklich top gut war. Ja ja, Denise hasst es sich verarschen zu lassen, und daher märtet sie sehr hartnäckig, manchmal fast etwas zu viel. (P: dieser Abschnitt hat nun auch die Denise selbst geschrieben, was nicht heissen sollte dass der Inhalt falsch wäre!!)

Wir trafen uns in Udaipur nochmals mit meinen Schweizer Ex-Kommilitoninnen. (Wir haben es sehr genossen!!!) Zweimal Nachtessen und am letzten Abend jassten wir alle gemeinsam auf unser Hoteldachterrasse. D: Am Himmel, die Lichtkegel vom Shakira-Konzert zusehen. Ab und zu waren auch einig Klänge zu hören. Wenn wir es richtig verstanden, wurde die Tochter des Premierministers Indiens 18 Jahre alt, und zu diesem Anlass wurde eine ganze Hotelinsel gemietet, Shakira engagiert, Live Übertragung am TV selbstverständlich. Wir wollen gar nicht wissen wie viel das ganze gekostet hat, ein SF-Event ist daneben ein Amateur-Theater. Dies zeigt wieso die Leute nicht gut auf die Politiker zu sprechen sind, und wenn man am nächsten Morgen von Kindern angebettelt wird, macht einem das auch als Tourist etwas wütend.

Die Stadt war laut und hektisch, Hunde werden von Töfffahrer vor unseren Augen angefahren (P: jaja, das hab ich mitansehen müssen – ich könnte noch jetzt den Fahrer ohrfeigen – der Hund jaulte so was von jämmerlich, ihm wurde wohl die linke Hinterhüfte ausgekugelt oder gebrochen und eine Rissquetschwunde zugetragen… erstes Mal in Indien für mich echtes Mitleid – schockierend dass dies bei einem Tier geschieht…) und so wünschten wir uns ein wenig Ruhe, Berge und kühlere Temperaturen. Und so nahmen wir am 16. Nov. den Bus nach Mount Abu.

BUNDI – Philippes Schlumpfenstadt!

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BUNDI – Philippes Schlumpfenstadt!

Nach der letzten Luxusbusreise wollten wir wieder authentischer reisen und nahmen den einfachen Staatsbus nach Bundi. In einer Sardellenbüchse schepperten wir 5 Std. über Land. Wunderbare Gegend, grüne Büsche, Hügelige Horizonte, und immer wieder ungeteerte Strassenabschnitte. Ein wenig Schweiz holten wir uns mit dem Hören eines  sehr guten Persönlich (mit Nadja Stieger und Per dem Schwedischen Botschafter) zu uns nach Indien.

Ein kleiner Tempel war die erste Ankündigung Bundis, dann ging es um den Felsen herum, und wir waren am Staunen. Oben ein Riesen Fort, unterhalb ein grosser Palast, und an der Talsohle ein kleiner See… okay Tümpel wohl eher. Und dann ganz viele kleine blau-lila Häuschen, Mauer an Mauer. Wir konnten kaum noch erwarten auszusteigen.

Wir liessen uns mit einer Ritscha zu einem Hotel chauffieren, von dem wir wussten, dass wir sehr wahrscheinlich nicht da schlafen würden, da es zu teuer sein wird. Aber  rundum gab es noch so viele andere. Das 2. Hotel war sauber, schön und Philippe wollte am liebsten gleich bleiben. Die böse Denise wollte, da gleich neben an, noch weitere besichtigen. Für die Hälfte vom ersten Preis, haben wir nun ein pinkes Zimmer mit regulierbarem Ventilator!

Kaum angekommen erkundeten wir die Strassen von Bundi. Gerade hatten auch die Kinder Schulschluss und so klang es aus jeder Ecke „Picture, please!“. Wir hatten aber leider unsere Kamera im Hotelzimmer vergessen, nach einer Zeit entschloss sich Denise jedoch ihr i-phone aus der Tasche zu zücken. Was dazu führte, dass sich nun nicht nur Kinder um uns scharten, sondern auch etliche Männer interessiert um uns standen. Sicherheitshalber liessen wir rasch unsere Notkamera verschwinden und gingen weiter.

Dieses Städtchen ist sehr angenehm! Die Leute sind freundlich und wissen wie mit Touristen um zugehen ist. Nicht so aggressiv, wie in den vorangegangen Städten. Hier kann man ohne weiteres vor einem Laden (einer Art Garage, die erhöht am Strassenrand aneinander gereiht sind) stehen, ohne in den Laden gelockt, gezerrt oder mit Produkten beworfen zu werden. So kauften wir in einem der unzähligen Läden Stoff und gaben einem kleinen Schneiderlein, welches  kaum Englisch konnte, einige Meter weiter – den Auftrag für ein Oberteil mit chinesischem Kragen. Wir wanderten weiter umher auf dem grossen Markt, und plötzlich entschied sich Philippe auch noch zwei Hemden (mass-angefertigt versteht sich!) schneidern zu lassen. Wir suchten Stoff, und gaben den Auftrag. Bereits 24h später wollten sie mit 3 Hemden fertig sein.

Zufrieden gingen wir zurück Richtung Hotel. Es war schon dunkel (die Sonne geht etwas vor 18 Uhr unter) als  ich sagte:“ He diese Frau habe ich schon mal gesehen“, zeitgleich sagt Philippe: “Das glaub i ja nid!“… wir starrten 3 Frauen an. Für die ist das in Indien ohne Männerbegleitung Alltag, und so dauerte es 2 Sekunden bis sie aufschrien  und uns erkannten. Ganz unverhofft trafen wir Lydia, Diana und Vreni – drei ehemalige Mitstudentinnen von Philippe, die nach dem Nepaltrekking nun wie wir noch  bis Ende Monat durch Indien reisen. Kurzum entschlossen wir uns zusammen das  Abendbrot zu geniessen. Ein wunderbarer Tag ging  zu Ende.

Am nächsten Tag besichtigten wir den Palast mit seinen wunderbaren Zeichnungen, Fledermäusen und Tauben und deren Sekreten. Im grünen Garten im Schatten der Mauer setzten wir uns auf ein Bänkchen und Jassten. Ganz zum Ärger von einem Klassenlehrer. Denn wir waren für dessen Schüler viel interessanter als verbleichte, abblätternde Wandmalereien. Danach assen wir zu Mittag im Om Shiva – was eine Katastrophe war. In der Tomatensuppe fehlten die Tomaten – es war eher eine Ketchup-Tabasco-Suppe – *pfui-teufel*. In der riesen Hitze entschlossen wir uns für eine Siesta.

Danach wurden wir von Megaphon-gesängen einer riesen Prozession herausgelockt. Ein riesen Menschenkonvoi – zuvorderst Musikanten, danach ein Güllefassähnliches-Gefährt das Wasser auf die Strasse träufelte. Das Wasser wurde anschliessend von rückwärtslaufenden jungen Mädchen mit Besen verteilt und die Strasse gereinigt. Den Blick immer zum kleinen Reisebus hinter (resp vor…) ihnen. Darin irgendein Geistlicher, dessen Stellung wir nicht richtig verstanden haben. Hinter dem Auto wurde dann ein Karren mit einem Transformator geschoben, damit man Strom für einen Scheinwerfer auf dem Auto hatte… Wiederum dahinter unzählige Frauen mit ihren Kleinkinder auf den Armen und irgendwo dazwischen ein Karren mit einem Megaphon angeschlossen an ein Mikrophon, dass abwechslungsweise von drei älteren Damen beschrien wurde.

War sehr imposant das Schauspiel zu beobachten. Und während wir versuchten durch die stehende Menschenmasse  zu unserem Schneider zu kommen, malten wir uns aus, was in den engen, schmalen Gassen geschehen würde, wenn Panik ausbrechen würde.

Beim Schneider angekommen, nahmen wir unsere drei Hemden in Empfang. Gutes Preis – Leistungsverhältiss! Danach hatten wir uns nochmals mit den drei anderen Mädels verabredet und genossen ein Cushnut Curry!

3. Tag in Bundi – wie üblich assen wir auf dem Hoteldach unser Frühstück. Danach schleppten wir uns unter brennender Sonne den Hügel hoch zum Fort. Ein Bauruine wie der Palast, und doch sehr eindrücklich. Für Kinder wäre es herrlich! Da  Verstecken-spielen zu zweit nicht Spass macht (ömu Denise nicht!) stellten wir uns einfach vor, wie man hier früher vorzüglich gelebt hatte, Feste gefeierte und in dem reisen grossen Trinkwasserreservoir schwimmen konnte. Heute leben dort oben nur noch einige Streifenhörnchen  und unzählige Affen! Nicht süsse Affen! Als wir vom Pool zurück zum Ausgang wollten, musste man unweigerlich an diesen vorbei. Unten schwammen sie, in den Bäumen frassen sie, auf der Mauer lauerten sie. Ich hatte wahnsinnigen Respekt vor den Tieren. Die zwar etwa halb so gross sind wie ich, 3x weniger wiegen, aber sicher 10x schneller sind, scharfe Zähne haben und Diplomatie nicht kennen. Philippe versuchte mich zu beruhigen und an den Viechern vorbei zu schummeln, als aber dann ein Affe fauchend den Anschein machte gleich auf uns zu springen, war es auch ihm etwas unbehagen und mir war die ganze Lage sehr unangenehm. Und der Spruch:“ Heb ke Angscht, die hei viel meh Angscht vor üs aus mir vo ihne!“ – Blick zurück zu mir – „okay vilich au nid“ – war nicht wirklich beruhigend.

Unten angekommen versuchten wir unser Mittagsglück auf einem anderen Dach – minimal besser – aber nicht wirklich. Wieso führt man eine Speisekarte, wenn man doch nicht alles anbieten kann, und wieso schreibt man Frischer Fruchtsaft, wenn er aus der Dose kommt? Und Free Internet: Heisst alle 40min für 2 min eine Verbindung! So haben wir dann ein weiteres Mal gejasst, Lassi getrunken und uns über die guten Neuigkeiten aus der Heimat gefreut.

So, diese kleine wunderbare Stadt, die sogar so etwas wie Müllmänner kennt, eine gute Schulbildung anbietet und sogar ein Kinderspital mit Research Centre hat, wir uns doch langsam langweilig. Wir werden morgen Richtung Udaipur aufbrechen.